Definitionen der Zwangsarbeit

Das ist Arbeit, die unter Androhung von Strafe verlangt wird. Menschen die zur Zwangsarbeit gezwungen werden, verrichten diese nicht freiwillig oder mit der Absicht, den Lebensunterhalt zu verdienen. Es wird ihnen nicht gesagt, wann diese Arbeit endet.

Während der Zeit des Nationalsozialismus 1933 bis 1945 wurden in Deutschland und den im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten Frauen, Männer und Kinder zur Arbeit gezwungen. Die Geschichtswissenschaft geht heute davon aus, dass rund 13 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten so ausgebeutet wurden. 

Grafik Zwangsarbeit | Quelle: WKM Heringen

Zwangsarbeit vor 1933 in Deutschland und Europa

Zwangsarbeit hatte bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus eine lange Vorgeschichte. Sie trat in unterschiedlichen Formen auf. Dazu zählt die Sklaverei, die in Europa ab 1600 schrittweise abgeschafft und sogar verboten wurde. Sklaven sind Menschen, die ohne eigene Rechte, unter Zwang und ohne Bezahlung für andere arbeiten müssen. Sie sind im Besitz eines anderen Menschen, können verliehen, verkauft und letztlich auch getötet werden — ohne tiefgreifende Konsequenzen. Ähnlich war es bei den Leibeigenen. Sie gehören einem Herren, dürfen das zugewiesene Territorium nicht verlassen und verrichten Arbeit ohne oder gegen sehr geringe Entlohnung.

Leibeigenschaft und Sklaverei waren in Europa ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht mehr üblich. Erst in der Phase des Kolonialismus ab 1860, als europäische Staaten Regionen in Afrika eroberten, ob Menschen und Land auszubeuten, kam die Sklaverei wieder verstärkt auf. In den deutschen Kolonien mussten rund 2 Millionen Menschen ab 1880 Zwangsarbeit verrichten. Während des Ersten Weltkriegs 1914 bis 1918 arbeiteten zudem 2,5 Millionen Soldaten als Kriegsgefangene unter Zwang im Deutschen Reich. Mit dem Ende des Krieges und dem Verlust der Kolonien gab es Zwangsarbeit in Deutschland nicht mehr. Eine Ausnahme bildeten Strafgefangene. Sie konnten im Zuchthaus oder dem Gefängnis auch weiterhin zu Arbeiten gezwungen werden. 

Leibeigenschaft: In Europa wurde die Leibeigenschaft ab 1600 schrittweise abgeschafft. Im russischen Zarenreich war sie bis 1861 gängige Praxis. | Quelle: Rijksmuseum, Vrijlating van lijfeigenen in Rusland (titel op object), RP-P-1904-2501, CC0 1.0