Rassenideologie

Die wissenschaftlich unbegründete Vorstellung, dass Menschen in „Rassen“ unterteilbar sind und einer Hierarchie unterliegen, ist ein wesentlicher Teil der Ideologie der Nationalsozialisten. Sie basiert auf dem sogenannten Volksgedanken. „Die Deutschen“ waren also nicht die Einwohner Deutschlands oder Menschen mit einem deutschen Pass, sondern die Zugehörigen zum „deutschem Volk“ als Teil der „nordischen Völker“ (Skandinavier, Niederländer, Flamen), welche innerhalb der Rassenideologie der Nationalsozialisten die höchste Stufe darstellten. Darunter rangierten die „romanischen Völker“ (Italiener, Spanier, Franzosen) und darunter die „slawischen Völker“ (Polen, Russen). Am unteren Ende dieser rassistischen Sichtweise rangierten Juden und von den Nationalsozialisten so bezeichnete „Zigeuner“.

Mit der Machtübernahme der NSDAP wurde die Rassenideologie der Nationalsozialisten zur Grundlage für politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen des Staates. Sie mündete schließlich im Holocaust. Der Begriff bezeichnet den systematischen, staatlich organisierten Völkermord an rund sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Deutschland. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet „vollständig verbrannt“. Bereits ab 1933 wurden Jüdinnen und Juden aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, ihre Geschäfte boykottiert, ihre Berufe verboten. Die Nürnberger Rassegesetze von 1935 entzogen ihnen systematisch Grundrechte.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs begann auch die Verfolgung von Juden und anderen Gruppen außerhalb des Deutschen Reichs. In Osteuropa verübten sogenannte Einsatzgruppen in Zusammenarbeit mit der Wehrmacht Massenerschießungen. Ab 1942 begann die systematische Deportation der Verfolgten in Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau, Sobibor oder Treblinka. Dort wurden Menschen mit Giftgas ermordet, ihre Körper verbrannt, ihr Besitz geraubt. Der Holocaust richtete sich vor allem gegen Jüdinnen und Juden, doch auch andere Gruppen wurden verfolgt und ermordet: Sinti und Roma, politische Gegner, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle und Zeugen Jehovas.

Grafik Durchsetzung der Rassenideologie der Nationalsozialisten 1 | Quelle: WKM Heringen

Grafik Durchsetzung der Rassenideologie der Nationalsozialisten 2 | Quelle: WKM Heringen
„Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.“
Protokoll der "Besprechung über die Endlösung der Judenfrage" vom 20. Januar 1942, online unter:
https://www.ghwk.de/fileadmin/Redaktion/PDF/Konferenz/protokoll-januar1942_barrierefrei.pdf

Vernichtung durch Arbeit

Vernichtung durch Arbeit: Über dem Tor des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau war dieser Schriftzug angebracht. Er versinnbildlicht die Phrase „Vernichtung durch Arbeit“. | Quelle: (WT-en) Stewartward at English Wikivoyage, Entrance to Auschwitz Auschwitz-Birkenau, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Die Phrase „Vernichtung durch Arbeit“ beschreibt ein zentrales Prinzip der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik. Sie steht für die systematische Ausbeutung von Häftlingen, insbesondere in Konzentrationslagern, durch körperlich extrem belastende Zwangsarbeit, die häufig unter lebensgefährlichen Bedingungen stattfand. Der Begriff selbst stammt nicht aus dem offiziellen Sprachgebrauch des NS-Regimes. Jedoch wurde er in inoffiziellen Unterredungen verwendet. Er wurde aber von Überlebenden, Historikern und in der Nachkriegszeit aufgenommen, um die tödliche Logik hinter dem Arbeitseinsatz in den Lagern zu benennen. „Vernichtung durch Arbeit“ verdeutlicht, dass Arbeit unter dem NS-Regime nicht nur zur wirtschaftlichen Ausbeutung, sondern gezielt zur physischen Vernichtung eingesetzt wurde.

Insbesondere jüdische Häftlinge, politische Gegner, sogenannte „Asoziale“ und Kriegsgefangene wurden gezielt in Arbeitskommandos eingeteilt, die auf Überforderung und Erschöpfung abzielten. Die Überlebenschancen waren gering; Krankheit, Misshandlung, Erschöpfung oder gezielte Ermordung führten massenhaft zum Tod. Ein besonders perfides Beispiel ist das Tor des Konzentrationslagers Auschwitz I, über dem der zynische Spruch „Arbeit macht frei“ prangt. Während dieser Satz vorgab, durch Arbeit zur Freiheit zu gelangen, war die Realität für viele Häftlinge genau das Gegenteil – nämlich der Tod durch Arbeit.

„Vernichtung durch Arbeit“ ist daher kein metaphorischer Begriff, sondern beschreibt die konkrete Erfahrung zahlloser Menschen, die durch bewusste Überforderung, systematische Unterversorgung und Gewalt ermordet wurden. Das Konzept zeigt, wie sehr der Nationalsozialismus wirtschaftliche Ausbeutung und ideologische Vernichtung miteinander verknüpfte – und wie Arbeit in diesem Kontext zu einem Mittel der Vernichtung wurde. 

„Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, dass Juden und Zigeuner schlechthin, Polen, die etwa 3 bis 4 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hätten, Tschechen und Deutsche, die zum Tode, lebenslangen Zuchthaus oder Sicherheitsverwahrung verurteilt wären, vernichtet werden sollten. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste.“
Aktenvermerk Otto Thierack (Reichsjustizminister), 14. September 1942,
Dok. 654-PS bei: Internationaler Gerichtshof, IMT, Band 26, S. 201.