Das Fulda-Werra-Revier

Nach erfolgreichen Kali-Funden bei Bleicherode im Südharz in den 1880er Jahren wurde ab 1890 auch das Gebiet zwischen Bad Salzungen und Vacha geologisch untersucht. Der Durchbruch gelang am 5. Oktober 1893 mit einem vier Meter langen Bohrkern im Grubenfeld der Saline Kaiseroda bei Hämbach (Bad Salzungen) der den Nachweis von Kalisalzen im Werratal erbrachte. Die am 13. Februar 1894 in Bochum gegründete Gewerkschaft Wintershall begann daraufhin mit Bohrungen im Raum Heringen. Der Name leitete sich vom Nachnamen einer der Gründer, Julius Winter, und dem althochdeutschen Wort Hall (dt: Salz) her. 1899 wurde der erste Schacht bei Leimbach fertiggestellt, jedoch wegen starker Kohlensäureeintritte 1901 stillgelegt. Der erste aktive Schacht im Revier war ab 1901 die Schachtanlage Kaiseroda I. 

Am 23. April 1900 begann in Widdershausen der Abteufvorgang des Schachtes Grimberg (nach dem zweiten Gründer Heinrich Grimberg) durch die Gewerkschaft Wintershall. Trotz großer technischer Herausforderungen wurde 1902 das Kalilager in 424 m Tiefe erreicht. 1907 folgte der erste Spatenstich für den Schacht Heringen und den Ausbau des Werkes Wintershall zur Kaliverarbeitung.

Schnell entwickelten sich im gesamten Revier unterschiedliche Gewerkschaften. Man sprach in dieser Zeit auch vom „Kali-Boom“. Aus der Gewerkschaft Kaiseroda entwickelte sich 1925 das Kaliwerk Merkers. Bei Dorndorf errichtete die Gewerkschaft Großherzog Sachsen eine Kaliumsulfatfabrik. Die Schächte Springen und Möllersgrund wurden von der Gewerkschaft Heiligenroda betrieben. Die Gewerkschaft Herfa-Neurode betrieb den dortigen Schacht und arbeitete eng mit Wintershall zusammen. In Unterbreizbach betrieb die Gewerkschaft Sachsen-Weimar die Bohrung eines Schachts bis in 775m Tiefe. 1910 startete hier die kontinuierliche Förderung von Kalisalz. 1921 übernahm die inzwischen firmierte Wintershall AG das Werk. 

Deren größter Konkurrent war die Gewerkschaft Hattorf, die 1897 bei Philippsthal auf ein großes Kalosalzvorkommen gestoßen war. Der Schachtbau begann 1905. 1913 kamen der Schacht Heimboldshausen und 1915 der Schacht Ansbach hinzu. Ein Jahr später ging die Chlorkalium-Fabrik   in Philippsthal in Betrieb. 1917 übernahm die Kaliwerke Aschersleben AG die Gewerkschaft (ab 1922 „Werksgruppe Salzdetfurth-Aschersleben-Westeregeln“). Schließlich hieß das Unternehmen ab 1937 Kaliwerke Salzdetfurth AG. 

Wintershall und Salzdetfurth entwickelten sich zu starken Konkurrenten durch Zukäufe von Schächten und Anlagen aber auch das gegenseitige Abwerben von Arbeitskräften. Schließlich waren die maßgeblichen Standorte Heringen und Philippsthal nur wenige Kilometer voneinander entfernt. 1971 hatte dies ein Ende. In der neu geschaffenen Kali und Salz AG wurden beide fusioniert.

Das Fulda-Werra-Revier im Jahr 1918 | Quelle: WKM Heringen

Gewerkschaft

Eine Gewerkschaft im Bergbau war historisch gesehen ein Zusammenschluss von Anteilseignern, die gemeinsam den Betrieb eines oder mehrerer Bergwerke organisierten und finanzierten. Diese Art von Gewerkschaft war also kein Arbeitnehmerverband, sondern ein wirtschaftlicher Betreiber. Besonders im 18. und 19. Jahrhundert, vor allem im deutschen Raum, war der Begriff weit verbreitet. Die Mitglieder einer Bergbau-Gewerkschaft hielten sogenannte Kuxen. Das waren Anteilscheine am Unternehmen, ähnlich wie Aktien. Die Gewerkschaft regelte über eine Satzung den Betrieb des Bergwerks, die Verteilung der Gewinne, Investitionen und die Verantwortung für Sicherheit und Technik. Diese Organisationen bildeten das Rückgrat des industriellen Bergbaus, bevor große Konzerne oder der Staat den Bergbau übernahmen.