Heeresmunitionsanstalten

Heeresmunitionsanstalten (Muna) waren militärische Einrichtungen im Deutschen Reich, die vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus eine zentrale Rolle in der Rüstungsindustrie spielten. Ihre Hauptaufgabe war die Herstellung, Lagerung, Prüfung und Verpackung von Munition für das deutsche Militär.

Ab Mitte der 1930er Jahre, nach dem Beginn der Aufrüstung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933, wurden zahlreiche Munitionsanstalten im ganzen Reichsgebiet errichtet. Sie lagen meist abgeschieden in Waldgebieten, um im Falle von Explosionen Schäden zu minimieren und um sie vor Luftangriffen zu schützen. Typisch waren weitläufige Gelände mit Munitionsbunkern, Werkstätten, Verwaltungsgebäuden und Gleisanschlüssen.

In den Munitionsanstalten arbeiteten zivile Fachkräfte, Wehrmachtspersonal, später aber auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Gebieten, die während des Zweiten Weltkriegs besetzt wurden. Teilweise wurden auch KZ-Häftlinge eingesetzt. Die Arbeitsbedingungen waren oft gefährlich, insbesondere bei der Handhabung von Sprengstoffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele dieser Anlagen demontiert, gesprengt oder von den Alliierten übernommen. Einige Standorte wurden später zivil genutzt oder in Depots der Bundeswehr umgewandelt. 

Im Kalirevier an der Werra spielten Munas während des Zweiten Weltkriegs eine besondere Rolle. Ihre Lage inmitten eines dicht industrialisierten Bergbaugebiets bot ideale Tarnung: Zwischen Kalischächten, chemischer Industrie und Bahnlinien fielen militärische Anlagen kaum auf. Eine Besonderheit war die Nutzung stillgelegter Kalischächte zur sicheren Lagerung und teils auch Produktion von Munition – geschützt vor Luftangriffen unter Tage. Die vorhandene Infrastruktur und die Erfahrung im Umgang mit gefährlichen Stoffen machten die Region attraktiv für das NS-Rüstungsprogramm. Die Munas wurden nicht von den Gewerkschaften, also von den Bergbauunternehmen, betrieben. Sie unterstanden den einzelnen Bereichen der militärischen Verwaltung. Jedoch profitierten die Gewerkschaften von der Vermietung und Verpachtung der Schächte an den Staat.

„In den Kalischächten des Werragebietes dagegen fand die Rüstungsindustrie optimale Voraussetzungen für ihre Untertageverlagerungen.“
Baranowski, Heeresmunitionsanstalten, S. 15
„Alexandershall sei wegen seiner großen Lagermöglichkeiten so wichtig, dass die Wehrmacht die von der Wintershall AG geforderten vier Millionen auch dann zu zahlen bereit wäre, wenn das Reichswirtschaftsministerium den Wert niedriger bewerten würde.“
Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Thü. Wirtschaftsministerium, 4181/341.