Salz an der Werra
Kalisalze sind chemische Verbindungen des Elements Kalium, während unser bekanntes Speisesalz aus Natrium und Chlorid besteht. Zwar schmecken beide Salze salzig, aber es gibt große Unterschiede. Denn Kalium ist ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen. Er hilft beim Zellwachstum, sorgt für Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und übernimmt wichtige Funktionen im Wasserhaushalt der Pflanzen. Die Verbindung Kaliumchlorid ist daher ein überaus effektiver Dünger. Das Kalisalz entstand vor rund 250 Millionen Jahren, als salzhaltiges Meerwasser verdunstete und sich ablagerte. Durch immer neue Erdschichten, die sich darüber legten, ist es heute in einer Tiefe zwischen 300 und 800 Metern zu finden. Daher muss es „unter Tage“, also in unterirdischen Stollen abgebaut werden.
Schon im Mittelalter wurden salzhaltige Quellen dafür genutzt, Speisesalz zu gewinnen. Dafür brachte man Salzwasser zum Kochen und ließ das Wasser verdunsten. Übrig blieb das Speisesalz, was ein begehrter und teurer Rohstoff war. Im Unterschied dazu ist Kalisalz nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Es wird als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt und steigert das Pflanzenwachstum.
Kalisalz liegt in tiefen Erdschichten. Um die zu erreichen, muss man einen Schacht teufen. Darunter versteht man das Graben und Bohren eines nahezu senkrechten Lochs in die Erde. Dafür muss man sich zunächst durch einige hundert Meter Boden graben, der kein Kalisalz enthält. Unten angekommen, wird das Salz abgebaut und anschließend zur Oberfläche transportiert. Dann muss es weiterverarbeitet werden, denn die Reinheit des abgebauten Rohstoffs ist nicht hoch genug für einen idealen Dünger. Manchmal werden in bestimmten chemischen Verfahren auch andere Stoffe hinzugefügt, um spezielle Eigenschaften zu erhalten. Das geschieht in den Werken „über Tage“, also an der Oberfläche. Die großen weißen Berge, wie der Monte Kali bei Heringen (Werra), bestehen weitgehend aus Abraum. Das ist gefördertes Kalisalz, welches nicht die ausreichende Qualität zur Weiterverarbeitung hat. Die fertigen Produkte aus den Werken werden nach der Verarbeitung auf Züge und LKWs verladen und an ihre Bestimmungsorte in der ganzen Welt gebracht.
Während des 19. Jahrhunderts machten die Medizin und alle Naturwissenschaften große Fortschritte. Das führte dazu, dass die Bevölkerung in Europa immer stärker wuchs, da immer weniger Kinder starben und die Medizin Leben verlängern konnte. Gleichzeitig erkannten die Biologie und Chemie die Bedeutung von Kalisalzen für die Düngemittelproduktion. Hier fielen also zwei Entwicklungen zusammen: Steigende Weltbevölkerung und steigender Bedarf an Lebensmitteln. Daher war Kalisalz um 1900 ein gefragter Rohstoff. So ließen sich Erträge der Landwirtschaft steigern und mehr Menschen ernähren.
Im Fulda-Werra-Revier begann um 1890 die Suche nach Kalisalz. 1893 wurde es durch eine Bohrung bei Bad Salzungen erstmals vor Ort nachgewiesen. 1894 begannen Bohrungen in Heringen (Werra). 1899 wurde in Leimbach der erste Schacht geteuft. 1901 ging die erste Schachtanlage mit dem Namen Kaiseroda I in Betrieb. 1900 begann der Bau des Schachts Grimberg bei Widdershausen und 1903 im benachbarten Heringen die Förderung des Rohstoffs aus 530 Metern Tiefe. 1910 wurde vor Ort die erste Fabrik zur Weiterverarbeitung eröffnet.
Im Revier entstanden bis zum Zweiten Weltkrieg mehr als 100 Schächte. Nur wenige von ihnen wurden auch tatsächlich lange zur Förderung von Kalisalz genutzt. Manche dienten nur als Wetterschacht. Darunter versteht man Schächte, die frische Luft von der Oberfläche (Wetter) unter Tage führen, um die Arbeit dort zu ermöglichen. Andere Schächte wurden geteuft und wieder aufgegeben, da es zu Wassereinbrüchen kam oder der Abbau vor Ort nicht rentabel war. So war es beispielsweise auch beim Schacht Abteroda, der zur Gewerkschaft Alexandershall gehörte. Er wurde 1914 geteuft und 1922 wurde die Förderung wieder aufgegeben.
Was ist ein Revier und wie wird Kalisalz abgebaut?
Als Revier bezeichnet man eine Region, in der Bergbau betrieben wird. Es wird dadurch begrenzt, wie weit sich das Gebiet zieht, in dem ein bestimmter Rohstoff vorkommt und zum Abbau in größerem Maßstab geeignet ist. Die Gegend zwischen Bad Salzungen im Osten und Neuhof bei Fulda im Westen, nennt man das „Fulda-Werra-Revier“. Hier finden sich unterirdisch besonders viele Vorkommen von Kalisalzen. Der Begriff Revier wird auch im Kohlebergbau verwendet.
Die salzführenden Schichten liegen zwischen 300 und 800 Metern unter der Erde und sind relativ dünn. Oft beträgt ihre Mächtigkeit (Dicke) nur wenige Meter. Um sie zu erreichen, werden senkrechte Schächte gegraben. Ist man in einer salzführenden Schicht von abbauwürdiger Qualität (Flöz) angekommen, gräbt man waagerechte Gänge in der Schicht. Den Transport von Menschen und Material nach oben und unten übernehmen Förderkörbe bzw. Aufzüge an Seilen. Das Salzgestein ist manchmal porös und leicht zu lösen. An anderen Stellen ist es massiv, je nach chemischer Zusammensetzung. In beiden Fällen wird das Gestein durch Sprengungen herausgelöst. Früher war das reine Handarbeit mit der Spitzhacke. Das gelöste Gestein wird an die Oberfläche transportiert. Früher geschah auch dies per Hand, dann mit Kippwägen (Loren) auf Schienen und heute über Förderbänder.


